Von der Kunst, sich nicht selbst beschäftigen zu können
Das Leben eines Jugendlichen (vielleicht auch schon eines älteren Menschen) scheint heutzutage sonderbar zu sein. Der Beobachtung liegt hier die Ferienzeit zugrunde.
Möglich erscheint noch das Aufstehen irgendwann in der Mittagszeit. Doch ist damit meist der kreative Rahmen des Heranwachsenden gesprengt. Wenn die Eltern zu Hause wären, würde man es keine zwanzig Minuten mit ihnen aushalten. Eltern wissen alles besser. Eltern erklären einem etwas. Also: Eltern sind blöd. Diese Vermutung wird durch das amerikanische Fernsehen unterstrichen. Das höchste der Gefühle sind mürrisch Antworten. Deshalb kommen diese zwei Menschen im Haus nicht in Frage etwas gegen die, und ich wiederhole mich da gerne, nach zwanzig Minuten einsetzende Langeweile zu unternehmen.
Also fällt die erste Wahl auf den Computer. Der hat ja was zu bieten. Facebook, Chats und Seiten, wo man sich lustige Bilder und Videos ansehen kann. Da muss doch etwas dabei sein, was einen ablenkt. Nach einer knappen Stunde werden die Seiten aber langweilig, weil man sich durch alle durchgeklickt hat. Gelesen hat man nichts, da müsste man seinen Kopf anstrengen und es würde Zeit in Anspruch nehmen (dies mag nur in manchen Ohren paradox klingen). Überfliegen ist ein Zauberwort. Es hat nichts mit Informationsaufnahme zu tun. Jedoch reicht die Kenntnis der Schlagzeilen auch aus. Auf jeden Fall hat nun der Jugendliche alle wichtigen Seite gesehen. Weiß, daß Jennifer nicht mehr mit Hanswurst zusammen ist. Schrecksekunde. Aber dann doch nicht so wichtig, man kannte beide doch nur flüchtig.
Was bleibt ist der Chat. Die ICQ-Liste ist voll mit Personen die man eventuell schon mal gesehen hat. Also alle mal der Reihe nach mit „Hallo! Wie geht’s?“ bombardieren. Einer von ihnen wird einem die gewünschte Aufmerksamkeit geben. Nach ein paar Minuten sind die Gespräche aber leider vorbei. Über ein „und sonst so?“ ist man nicht hinaus gekommen. Wieder gähnende Leere im Kopf und Langeweile. Was tut man in einer solchen Situation?
Bleibt doch noch ein Medium zur Rettung. Der Fernseher. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten. Für den Jugendlichen schrecklich. Er möchte Action. Es muss schnell und laut zugehen und ihn bestmöglich von seiner Unfähigkeit, Selbstständig irgendetwas zu machen, ablenken. Hat er etwas gefunden, gammelt er so lange vor der Glotze, bis ihm das auch wieder zu öde geworden ist und er wieder an den Computer geht.
Im Haus macht man dann noch einen kleinen Umweg, um ja dem Bücherregal zu entgehen.
ICQ trötet wieder und der nächste Versuch sich abzulenken ist gekommen. Es werden abermals irgendwelche nichtssagende Gespräche geführt. Doch erbarmt sich schließlich jemand zu einer Verabredung.
Jackpot. Also auf zu diesem Menschen, dem es nicht anders ergeht wie einem selbst. Denn wie heißt es so schön: zusammen langweilen ist besser als alleine. (Und nachts ist es auch kälter als draußen - aber das nur nebenbei)
Nun kann man zusammen auf dem Sofa gammeln und Fernsehen gucken. Bis zum Abend. Irgendwann geht man dann mal ins Bett. War ja ein anstrengender und erfüllter Tag.
Sie haben verlernt, oder es nie gelernt, sich selbst mit Dingen zu beschäftigen. Sich einer Sache anzunehmen und sich damit auseinander zu setzten. Schlimm und traurig zugleich.
Sein Leben so untätig zu verbringen, weil man einfach nicht weiß, was man mit sich selbst anfangen soll.
Auch keinen Gedanke an sich und die Zukunft zu verschwenden. Der Frage nach Sinn und Unsinn, nach dem eigenen Standpunkt so zu entgehen, macht fassungslos.
Praxistest? Man frage einfach den nächsten Menschen, der mit den Worten: "Hey, wie geht es dir?" das Gespräch beginnt und danach kreativlos und wortlos darauf wartet aus seinem anhaltenden Langeweileloch geholt zu werden.